Untersuchungsausschuss
Im Untersuchungsausschuss des Sächsischen Landtages zu Fragen der Corona-Pandemie wurden gestern in Dresden unter anderem Prof. Albrecht für die Universitätsklinik Dresden und Prof. Ullrich für die Collm Klinik Oschatz angehört.
In der rund zweistündigen Befragung wurden die Entwicklungen und Abläufe in der Collm Klinik Oschatz während des betreffenden Zeitraums detailliert, nachvollziehbar und mit hoher fachlicher Präzision dargestellt. Medizinische, organisatorische und zeitliche Zusammenhänge wurden erläutert, eingeordnet und für die Mitglieder des Ausschusses transparent gemacht.
Vor diesem Hintergrund ist umso weniger nachvollziehbar, mit welcher politischen Zuspitzung insbesondere Vertreter der AfD offenbar versuchen, aus einer sachlichen Anhörung eine Kampagne zu formen. Wer einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ernst nimmt, sollte ihn als Instrument der Aufklärung begreifen – nicht als Bühne zur Bestätigung bereits feststehender Narrative. Herr Prof. Ullrich hat weder einen Bezug zum sächsischen Ministerpräsidenten noch zur sächsischen Sozialministerin hergestellt.
Komplexe medizinische und klinische Sachverhalte lassen sich nicht durch politische Schlagworte bewerten. Wer fachlich fundierte Aussagen hören will, muss auch bereit sein, sie fachlich fundiert zu prüfen. Sachverstand verlangt Sachverstand auf beiden Seiten des Tisches.
Es ist legitim, kritisch nachzufragen. Es ist auch legitim, Entscheidungen aus der damaligen Zeit zu hinterfragen. Nicht legitim ist es jedoch, fachlich nachvollziehbare Darstellungen zu verkürzen, umzudeuten oder in einen politischen Deutungsrahmen zu pressen, der mit dem tatsächlichen Inhalt der Anhörung nur noch wenig zu tun hat.
Gerade die Aufarbeitung der Corona-Pandemie verlangt Genauigkeit, Differenzierung und intellektuelle Redlichkeit. Wer stattdessen mit Unterstellungen, Verkürzungen oder vorgefertigten politischen Erzählungen arbeitet, trägt nicht zur Aufklärung bei, sondern beschädigt deren Glaubwürdigkeit.
Ein Untersuchungsausschuss sollte Erkenntnisse hervorbringen – keine Inszenierungen. Wer Aufklärung fordert, muss auch bereit sein, fachliche Antworten anzuerkennen, wenn sie nicht in das eigene politische Bild passen.
(abgestimmt und im Namen von Prof. Ullrich)